Fachbeiträge für Praxis und Pflege · Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit
Norovirus in Einrichtungen: Schutzmaßnahmen und Meldepflicht
Noroviren verbreiten sich in Einrichtungen sehr schnell. Der RKI-Ratgeber nennt klare Maßnahmen. Hier sind sie mit dem nötigen Material kurz zusammengefasst.
Ein Norovirus-Ausbruch trifft Heime und Kliniken meist plötzlich. Die Infektiosität gilt laut RKI als sehr hoch. Wer vorbereitet ist, kann früh reagieren. Die Angaben unten stammen aus dem RKI-Ratgeber und ersetzen nicht die Absprache mit Ihrem Gesundheitsamt.
So werden Noroviren übertragen
Die Viren werden über Stuhl und Erbrochenes ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral, etwa über kontaminierte Flächen. Dazu kommen virushaltige Tröpfchen beim Erbrechen. Auch Speisen und Trinkwasser können Quellen sein. Die Inkubationszeit liegt bei etwa 6 bis 50 Stunden. Besonders ansteckend sind Betroffene während der Symptome und in den ersten 48 Stunden danach. Das Virus wird oft noch 7 bis 14 Tage ausgeschieden, deshalb bleibt die Händehygiene auch danach wichtig.
Maßnahmen im Überblick
| Bereich | Maßnahme laut RKI |
|---|---|
| Unterbringung | Isolierung, möglichst Einzelzimmer mit eigenem WC. Verlegungen und Personalbewegungen minimieren |
| Schutzkleidung | Handschuhe, Schutzkittel und gegebenenfalls Atemschutz bei der Pflege |
| Hände | Konsequente Händedesinfektion |
| Flächen | Tägliche Wischdesinfektion patientennaher Flächen einschließlich Türgriffen |
| Wäsche | In geschlossenen Säcken sammeln und nach Hygieneplan aufbereiten |
| Pflegeutensilien | Personenbezogen verwenden |
| Nach dem Ausbruch | Bereiche erst nach Schlussdesinfektion wieder öffnen |
Der passende Wirkbereich
Das RKI nennt Desinfektionsmittel mit dem Wirkbereich „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“. Ein Mittel, das nur als „begrenzt viruzid“ ausgewiesen ist, reicht hier also nicht. Für Flächen werden laut RKI Perverbindungen oder Aldehyde bevorzugt. Prüfen Sie deshalb schon vor der Saison, ob Ihre Flächendesinfektion und Händedesinfektion passen und in welcher Einwirkzeit. Die Begriffe erklärt der Beitrag Welches Desinfektionsmittel passt?
Meldepflicht
- Der direkte oder indirekte Norovirus-Nachweis ist namentlich an das Gesundheitsamt zu melden (§ 7 IfSG).
- Verdacht oder Erkrankung an akuter infektiöser Gastroenteritis ist meldepflichtig, wenn die Person mit Lebensmitteln umgeht.
- Das Gleiche gilt bei zwei oder mehr gleichartigen Erkrankungen mit wahrscheinlichem epidemischem Zusammenhang (§ 6 IfSG).
- Die Meldung muss dem Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden vorliegen.
Die ersten Schritte bei einem Verdacht
- Betroffene möglichst sofort trennen und das eigene WC zuweisen.
- Schutzkleidung und passendes Desinfektionsmittel an die Zimmertür bringen.
- Hygieneverantwortliche und Leitung informieren.
- Prüfen, ob eine Meldung nötig ist. Bei Bedarf das Gesundheitsamt einbeziehen.
- Erkrankte, Kontaktflächen und Zeitpunkte in einer einfachen Liste festhalten.
- Team, Reinigungskräfte und Küche informieren.
Die Liste ist eine Orientierung. Die genaue Reihenfolge gehört in den Hygieneplan Ihrer Einrichtung, damit im Ernstfall niemand erst überlegen muss.
Erbrochenes und Stuhl beseitigen
Hier ist das Risiko besonders hoch, weil beim Erbrechen virushaltige Tröpfchen entstehen. Tragen Sie die Schutzausrüstung, die Ihr Plan vorsieht, also Handschuhe, Schutzkittel und gegebenenfalls Atemschutz. Nehmen Sie die Verschmutzung mit getränktem Einmalmaterial auf, desinfizieren Sie die Fläche danach mit einem Mittel im passenden Wirkbereich und beachten Sie die Einwirkzeit. Anschließend legen Sie die Ausrüstung sicher ab und desinfizieren die Hände.
Warum Händewaschen allein nicht genügt
Weil Betroffene das Virus oft noch 7 bis 14 Tage ausscheiden, endet die Vorsicht nicht mit dem Ende der Beschwerden. Prüfen Sie den Wirkbereich des Händedesinfektionsmittels und halten Sie die im Hygieneplan genannte Einreibezeit ein. Sprechen Sie auch mit Besuchern über die Regeln, solange der Ausbruch andauert.
Personal
Erkranktes Personal sollte laut RKI auch bei geringen Beschwerden freigestellt werden und frühestens 2 Tage nach Ende der Symptome wieder arbeiten.
Den Ablauf bei einem Ausbruch halten Sie am besten im Hygieneplan fest. Vorlagen dafür stehen für Pflegeeinrichtungen und Kliniken als PDF bereit, weitere im Ratgeber Hygiene, Reinigung und Desinfektion.
Legen Sie einen kleinen Ausbruchsvorrat an: Schutzkittel, Handschuhe, Wäschesäcke und passendes Desinfektionsmittel. Im Ausbruch ist für Bestellungen keine Zeit.
Quellen
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information für Fachkreise und wurde nach bestem Wissen erstellt. Er ersetzt keine rechtliche oder medizinische Beratung im Einzelfall. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vorschriften und die Angaben der Hersteller. Für Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr.