Antibiotika-Resistenzen gehören zu den größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit. Jährlich sterben in Deutschland Tausende Menschen an Infektionen mit multiresistenten Erregern. Das Robert Koch-Institut warnt vor einer Post-Antibiotika-Ära, in der selbst einfache Infektionen lebensbedrohlich werden könnten. Neue Bekämpfungsstrategien und strikte Hygienemaßnahmen sind dringend erforderlich.
Ursachen für zunehmende Resistenzen
Der übermäßige und unsachgemäße Einsatz von Antibiotika beschleunigt die Resistenzentwicklung. In der Humanmedizin werden Antibiotika häufig unnötig bei viralen Infekten verschrieben. In der Tiermast dienen sie als Wachstumsförderer, was die Verbreitung resistenter Keime begünstigt.
Patienten brechen Therapien vorzeitig ab oder nehmen Antibiotika nicht regelmäßig ein. Dies fördert die Selektion widerstandsfähiger Bakterienstämme. Auch in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen verbreiten sich multiresistente Erreger wie MRSA, VRE oder ESBL-bildende Bakterien.
DART-Strategie der Bundesregierung
Die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2030) definiert konkrete Maßnahmen zur Eindämmung. Dazu gehören die Reduktion des Antibiotika-Einsatzes, verbesserte Surveillance-Systeme und die Entwicklung neuer Wirkstoffe. Ärzte sollen vor jeder Verschreibung Resistenztests durchführen und gezielt behandeln.
Aufklärungskampagnen informieren Patienten über den richtigen Umgang mit Antibiotika. Schnelltests ermöglichen eine präzisere Diagnostik und verhindern unnötige Verschreibungen. Die Zusammenarbeit zwischen Human- und Veterinärmedizin wird intensiviert.
Hygienemaßnahmen in medizinischen Einrichtungen
Krankenhäuser müssen ihre Hygienepläne verschärfen und konsequent umsetzen. Händedesinfektion bleibt die wichtigste Einzelmaßnahme zur Infektionsprävention. Alkoholische Desinfektionsmittel mit breitem Wirkspektrum sollten an jedem Patientenbett verfügbar sein.
Screenings bei Risikopatienten identifizieren Keimträger frühzeitig. Isolierungsmaßnahmen verhindern die Ausbreitung auf andere Patienten. Medizinprodukte müssen nach standardisierten Verfahren aufbereitet werden. Reinigungs- und Desinfektionspläne für Flächen sind strikt einzuhalten.
Neue Therapieansätze und Forschung
Die Entwicklung neuer Antibiotika stagniert, da die pharmazeutische Industrie geringe Gewinnmargen sieht. Alternative Therapieansätze wie Phagen-Therapie, Immuntherapien oder antimikrobielle Peptide befinden sich in der Erforschung. Erste klinische Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse.
Diagnostische Schnelltests ermöglichen binnen Stunden die Identifikation von Erregern und Resistenzen. Dies erlaubt eine gezielte Therapie statt breiter Antibiotika-Gaben. Point-of-Care-Tests in Arztpraxen könnten die Verschreibungspraxis revolutionieren.
Fazit
Der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen erfordert ein Umdenken auf allen Ebenen. Rationale Verschreibung, konsequente Hygiene und neue Therapieoptionen sind notwendig, um die Wirksamkeit von Antibiotika langfristig zu erhalten. Jeder Einzelne kann durch verantwortungsvollen Umgang dazu beitragen.
Link: Quelle
Schreiben Sie einen Kommentar und beteiligen Sie sich an der Diskussion