Fachbeiträge für Praxis und Pflege · Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Wundversorgung: Welches Material in welcher Situation passt

Keine Wundauflage passt für jede Wunde. Wichtiger als der Produktname sind Wundzustand, Exsudatmenge und die Frage, wie oft gewechselt werden soll.

Bei der Auswahl von Wundauflagen geht es selten um die eine richtige Lösung. Es geht um den aktuellen Zustand der Wunde und darum, was das Material in dieser Phase leisten soll. Die Therapieentscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Dieser Beitrag hilft dabei, den Materialbedarf zu ordnen.

Akut oder chronisch?

Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung bezeichnet eine Wunde als chronisch, wenn sie innerhalb von acht Wochen nicht abgeheilt ist. Bei einer kleinen Schnittverletzung genügen oft Kompressen und Pflaster. Bei einer chronischen Wunde kommt es auf ein abgestimmtes Vorgehen an, zu dem auch die Behandlung der Ursache gehört.

Kriterien für die Auswahl

Frage Warum sie zählt
Wie viel Exsudat? Stark nässende Wunden brauchen Aufnahmekapazität, sonst weicht der Wundrand auf
Trocken oder feucht? Feuchte Wundbehandlung gilt seit Langem als Standard, Belege und Grenzen unterscheiden sich aber je nach Produktgruppe
Klebt die Auflage? Beim Wechsel soll möglichst wenig neues Gewebe mit abgelöst werden
Wie oft wird gewechselt? Wechselintervall und Pflegealltag müssen zusammenpassen
Zeichen einer Infektion? Das gehört zuerst in ärztliche Abklärung. Manche Auflagen sind nur für begrenzte Zeit vorgesehen

Die wichtigsten Produktgruppen

  • Kompressen und Saugkompressen: Grundausstattung für akute Wunden und als Sekundärverband.
  • Salbenkompressen: sollen das Verkleben mit der Wunde vermeiden. Eine Auswahl finden Sie unter Salbenkompressen.
  • Schaumverbände: nehmen Exsudat auf, siehe Schaumverbände.
  • Hydroaktive Auflagen: zählen zur feuchten Wundversorgung.
  • Wundspülung: Lösungen zur Wundreinigung unterscheiden sich in Zusammensetzung und Zweckbestimmung.
Zu den Vorteilen vieler Verfahren gibt es wenig belastbare Studien. Menschen mit chronischen Wunden sind oft älter und haben mehrere Begleiterkrankungen, das erschwert den Vergleich. Werbeaussagen sollten Sie deshalb immer mit der Gebrauchsanweisung und der Zweckbestimmung abgleichen.

Sauber arbeiten beim Verbandswechsel

Beim Verbandswechsel ist Handkontakt mit Körperflüssigkeiten möglich. Die TRBA 250 nennt ihn ausdrücklich als Beispiel für den Einsatz flüssigkeitsdichter medizinischer Handschuhe. Halten Sie vorab alles griffbereit, damit der Ablauf nicht unterbrochen wird. Mehr zur Auswahl der Handschuhe lesen Sie im Vergleich von Nitril, Latex und Vinyl.

Bei sezernierenden Wunden ist laut TRBA 250 zudem mit einer Kontamination der Arbeitskleidung zu rechnen. Halten Sie deshalb auch Schutzkleidung bereit, zum Beispiel Einmalschürzen.

Wechsel und Fixierung mitplanen

Eine Auflage kostet nicht nur beim Kauf. Länger liegende Auflagen sparen womöglich Wechsel, passen aber nicht zu jeder Wunde. Am Ende zählt, was bei dieser Wunde vorgesehen ist. Vergessen Sie beim Bestellen das Zubehör nicht: Fixierbinden und Pflaster halten den Verband. Hautschutz am Wundrand gehört je nach Situation dazu. Empfindliche Haut verträgt nicht jedes Klebematerial, das ist ein häufiger Grund für Probleme beim Wechsel.

Dokumentieren, damit die Auswahl nachvollziehbar bleibt

Bei chronischen Wunden arbeiten oft mehrere Personen zusammen. Eine gute Dokumentation hält fest:

  • Größe, Tiefe und Lage der Wunde
  • Beschaffenheit von Wundgrund und Wundrand
  • Menge und Art des Exsudats
  • Schmerzen und Infektionszeichen
  • verwendetes Material und nächster geplanter Wechsel

So lässt sich erkennen, ob eine Maßnahme zum Wundverlauf passt und wann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt erneut einbezogen werden sollte.

Was im Schrank bereitliegen sollte

Für akute Fälle genügt meist eine kleine Auswahl: sterile Kompressen in zwei bis drei Größen, Fixierung, Wundpflaster und eine Wundspüllösung. Spezielle Auflagen bestellen Sie besser nach Bedarf, damit sie nicht ablaufen. Wie sterile Ware gelagert wird, erklärt der Beitrag Sterilgut richtig lagern.

Der Überblick im Sortiment

Alle Gruppen finden Sie unter Verbandstoffe.

Für die klassische Abdeckung sind sterile ES-Kompressen von Hartmann ein häufig bestelltes Beispiel.

Quellen

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information für Fachkreise und wurde nach bestem Wissen erstellt. Er ersetzt keine rechtliche oder medizinische Beratung im Einzelfall. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vorschriften und die Angaben der Hersteller. Für Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr.

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